Rückblick auf die Nationale Bonsai- und Suiseki-Ausstellung vom 8. und 9. Oktober in Diessbach

Text und Fotos: Liliane Gut Ricciardella

Rückblick auf die Nationale Bonsai- und Suiseki-Ausstellung vom 8. und 9. Oktober in Diessbach, Kanton Bern

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Am zweiten Wochenende im Oktober fand in Diessbach, im Berner Seeland, die diesjährige Nationale Ausstellung statt. Statt der gewohnten Frühlingsausstellung konnten diesmal die Bäume im Herbstkleid bewundert werden, was für viele eine schöne Abwechslung bedeutete. 68 Solitärbonsai von 30 Ausstellern waren in der Einzelausstellung und viele weitere in den individuell arrangierten VSB-Gruppenausstellungen zu bewundern. Mit den zwölf ausgestellten Suiseki-Displays war zwar der Sektor Suiseki diesmal eher klein, aber nicht minder interessant. Der Event lockte überraschend viele Besucher nach Diessbach und kann als voller Erfolg betrachtet werden.
Der Entscheid zur Durchführung der Ausstellung fiel erst im November des Vorjahres, also verhältnismässig kurzfristig.

Für Martin Stäbler, Leiter der Arbeitsgruppe Biel/Westschweiz

, lag die Wahl für die richtige Location auf der Hand, denn die Anlage mit der Sport- und Rollhockeyhalle und der unmittelbar danebenliegenden Mehrzweckhalle kennt er als deren Hauswart aus dem Effeff.
Unterstützung bei der Durchführung dieses doch grossen Events erhielt er von einigen Mitgliedern seiner eigenen Gruppe, aber auch von einzelnen Mitgliedern der Arbeitsgruppen Emmental, Schaffhausen und Long Valley, von denen alle bereits einmal eine «Nationale» organisiert hatten und sich des grossen Aufwandes bewusst waren. Überraschend war für Martin Stäbler aber vor allem die grosse Hilfsbereitschaft aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis in Diessbach. Sowohl bei der Organisation, beim Auf- und Abbau der Ausstellung und im Gastro-Bereich war ihr Einsatz enorm. Seine Frau Ursula stellte zusammen mit einer Freundin und ihren Familien eine grosse, farbenfrohe Tombola auf die Beine.
Die Ankündigung des Events über das Regionale Fernsehen, Zeitungen und gezielte Plakatwerbung in der näheren und weiteren Umgebung von Diessbach lockte zahlreiche Besucher in die Halle.

An beiden Tagen konnten an die 900 Eintritte verkauft werden

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. Vermutlich kam das zwar trockene aber doch verhältnismässig kühle Wetter dem grossen Erfolg der Ausstellung entgegen.
Pünktlich um neuen Uhr wurde die Ausstellung in Anwesenheit des Diessbacher Gemeindepräsidenten André Cartier eröffnet. In der gut ausgeleuchteten und geräumigen Hockeyhalle wurden die Bäume auf langen Tischreihen vor weissem Hintergrund präsentiert. Das Niveau der präsentierten Bäume wurde im Vergleich mit anderen Ausstellungsjahren als verhältnismässig hoch eingschätzt. Wie jedes Jahr wurden auch 2016 die Swiss Awards in den Kategorien Nadelbaum einheimisch, Nadelbaum Import, Laubbaum einheimisch, Laubbaum Import und Suiseki vergeben. Dazu waren vier Juroren aus dem Kreis der VSB-Arbeitsgruppenleiter am Samstag damit beschäftigt, jeden Baum nach einem vorbereiteten Fragenkatalog zu bewerten.
In der Kategorie Suiseki hatte Martin Pauli, der Schweizer Suiseki-Spezialist, die Qual der Wahl. Es wurden zwar nur 12 Suiseki-Exponate präsentiert, dabei waren aber auch einige wertvolle, japanische Stücke.
Währenddessen fand auf der Bühne der Mehrzweckhalle die Schweizer Ausscheidung des New-Talents statt. Der Gewinner wird seine Fähigkeiten Anfang Februar 2017 am internationalen Wettbewerb an der EBA/Noelanders Trophy in Belgien unter Beweis stellen.

Vier Teilnehmer arbeiteten konzentriert an kleinem Wacholderrohmaterial, während vor der Bühne für das Publikum zugänglich drei Demonstratoren und ihre Assistenten verschiedene Bäume bearbeiteten. Nicola Crivelli führte zusammen mit seinen Schülern die Arbeiten an den Grünbereichen eines grossen Wacholders weiter, dessen wunderbar definierte Totholzbereiche er bereits vor einiger Zeit bearbeitet hatte. Philipp Mannes bearbeitete zusammen mit Erkan Obay daneben einen Wacholder, dessen Stamm sich einem wilden Knoten gleich um sich selbst wand. Walter Schmutz hatte sich eine seiner Lieblingsarbeiten vorgenommen und gestaltete einen klassischen Chinesischen Wacholder mit gedrehten Saftbahnen und Totholz. 15 Händler aus der Schweiz boten hier ihre Waren an. Schalen, Tische, Zubehör und Bonsai in allen Grössen und Reifestadien waren zu finden.

Am Abend darauf fand im nahe gelegenen Saal des Restaurants Traube das Galadinner statt. Zwischen Billardtischen und Dartscheiben herrschte lebhafte Stimmung. Nach dem mehrgängigen Essen gratulierte der Präsident der VSB, Juraj Marcinko, den freudigen Gewinnern des New-Talent-Wettbewerbs und der Swiss Awards 2016 und übergab ihnen die Gewinnerzertifikate. Den New-Talent-Wettbewerb der Schweiz entschied Gerold Witzig der Arbeitsgruppe Schaffhausen für sich, obschon auch der Baum von Gerardo Iellamo überzeugte, was am Sonntag für anschliessende Diskussionen sorgte. Für einige der Swiss-Awards-Gewinner kam die Auszeichnung völlig überraschend, dementsprechend gross war ihre Freude. Danach gab Melanie Walzer, EBA-Delegierte, auch den Merit-Award der EBA bekannt: Stefan Gmür erhielt ihn für die fein gearbeitete streng aufrechte Fichte.

Im Anschluss daran stellte Martin Stäbler jeden der anwesenden Helfer persönlich vor und bedankte sich in seiner humorvoll geselligen Art.
Für musikalische Stimmung sorgte dann die Band «Bünzlikracher», vier junge Männer aus der Region Diessbach, die regelmässig in einem der Räume der Ausstellungslokalität zusammen üben. Martin Stäbler engagierte sie kurzum für einen Auftritt vor Bonsaipublikum. Extra für diesen Abend studierten die «Schwermetaller» einige allgemeinverträglichere Coversongs mit träfen, witzigen Mundarttexten ein, wie den «Bonsai-Blues». Frontmann Michael Stalder sinnierte zwischendurch wortgewandt in breiter Berner Mundart über die Eigenheiten der anwesenden Bonsaifreunde.

Der Sonntag übertraf in Sachen Publikum den Samstag noch um einiges

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– ein sehr erfreuliches und eher ungewohntes Bild an Schweizer Bonsaiausstellungen!
11 Arbeitsgruppen präsentierten diesmal grössere und kleinere Gruppenausstellungen und -installationen. Zum ersten Mal wurden sie vom Publikum bewertet. Nur so sei es möglich, der Originalität und Kreativität der Gruppenpräsentationen im Gesamten – unabhängig von japanischen Kriterien und der Reife der Bäume – gerecht zu werden, war die Meinung des VSB-Vorstandes. Dazu wurde an der Kasse jedem Besucher ein Stimmzettel mitgegeben. Um 15 Uhr wurden dann die noch zu vergebenden Preise direkt in der Ausstellungshalle verliehen. Dazu gehörte auch der bereits im Vorfeld ausgeschriebene Taiwan-Award, der von der Taiwan Bonsai Association grosszügig zur Verfügung gestellt wurde. Dem Gewinner winkt eine Reise nach Taiwan an die 4tägige «14th Asia-Pacific Bonsai an Viewing Stone Convention and Exhibition» im November 2017.

Der Preis ging an Ruedi Bützberger für seine wunderbare Mädchenkiefer.

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Auch seine weiteren Ausstellungsstücke überzeugten durch ihre feine und ästhetisch perfekte Ausarbeitung, dazu gehörten auch zwei themenorientierte Suiseki-Displays, die ebenfalls eine Auszeichnung erhielten. Juraj Marcinko hatte das Vergnügen, ihm die elegante Trophäe persönlich übergeben zu dürfen. Danach wurden die Preise für die besten Gruppenpräsentationen vergeben:
Der erste Preis ging wiederum an die Arbeitsgruppe Schaffhausen. Gruppenleiter Hugo Berther nahm den Wanderpokal ein weiteres Mal «in Verwahrung». Er und seine Mitglieder hatten keinen Aufwand gescheut und mit ihren Bäumen, einzelnen Steinen und Kies einen aussergewöhnlichen Steingarten mit Felsen und Trittsteinen inszeniert. Der zweite Preis ging an den Gastgeberclub, die Bonsaigruppe Biel-Westschweiz. Im Zentrum ihrer Bonsaipräsentation stand ein Mondtor, das – wie in einem chinesischen Garten – den Blick in einen weiteren Gartenteil lenkte. Und der dritte Preis erhielt der Bonsai Club Luzern für seine grosse Anzahl an hochkarätigen und sauber präsentierten Solitär-Bonsai.
Kurz vor Ausstellungsende, begann es dann kräftig zu regnen. Die Tropfen prasselten unaufhörlich auf das Hallendach und die folgenden Abräumarbeiten waren nichts für Wasserscheue.

Alles in allem ein gelungener Event,

der in erster Linie der grossen Arbeit von Martin Stäbler zu verdanken war, der mit unglaublicher Gelassenheit und Souveränität in seiner freundschaftlich, hilfsbereiten Art alle Helfer und Beteiligten motivieren und einbinden konnte. Für diese reife Leistung gratuliert ihm die VSB ganz besonders. Es war ein Event, der dem Bonsaihobby in der Schweiz wieder zu mehr Beachtung verholfen hat.

Rückblick auf die Nationale Bonsai- und Suiseki-Ausstellung vom 8. und 9. Oktober in Diessbach
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