, Sandro Tschudin

Gedanken zu einem Stück Lava

Achtsamkeit

 

Der schöne Stein von den kanarischen Inseln steht in seinem Daiza aus Zirikote-Holz. Ich habe meine Empfindungen und Gedankenbilder, die mich während dem Schnitzen begleitet haben, in das Holz übersetzt und möchte sie an dieser Stelle auseinandersetzen.

Die primäre Geste des Steins ist kraftvoll und unerschütterlich. Als Klippe stellt er sich den Widrigkeiten, die ihn bedrängen. Seine stoische Ruhe ist ein wunderbarer Kontrast zur dramatischen Szenerie peitschender Wellen. Unterstrichen wird dieser Effekt durch die bereits entstandene Patina des Steins welche ihm eine beinahe feuchte Erscheinung verleiht.

Die Wahl des Holzes fiel auf Zirikote, da seine Maserung wild und dramatisch ist. Es passt mit seinem ernsten Farbton auch wunderbar zum metallenen Farbton des Steins und verleiht ihm gleichzeitig etwas südliche Wärme.

Geborgenheit vermag er in dem Moment auszustrahlen, wenn ich mir die unzähligen Vogelnester in seinen Flanken vorstelle. Höhlen – Narben vom Ringen mit den Elementen.

Das Holz fasst den Stein in Form leckender Wellen. Die anschliessenden Zierränder symbolisieren die stetig wiederkehrende Brandung und verleihen der Komposition Tiefe.

Die Füsse des Daiza habe ich als Ableitung dieser zum Erdmittelpunkt strebenden Kraft gestaltet. Sie sind Verlängerungen der visuellen Schwerpunkte des Steines.

Dennoch nehmen die Füsse die Wellenbewegungen auf und lassen die Komposition verspielt wirken. Dies auch als Reminiszenz an die Dynamik des Steines: manchmal kam er mir vor wie ein sich durch die Gischt pflügendes Schiff.

Immer wieder verweilte ich auch am markanten runden “Knubbel” auf seiner linken Oberseite. In mir sträubte es sich, ihn als Sisyphos` Fels zu sehen – zu tragisch! In meiner Recherche stiess ich auf: Naranath Bhranthan. Gleiche Beschäftigung, doch aus Freude!

Zuletzt der Abschluss des Profils: eine schlingernde Linie – dem sich wiegenden Kelp “entspürt” – jagend durch den korallenen Wald.

 

ZHU HONG

(1535 – 1615)

Ein einsamer Berg tausend Klafter hoch

In der Mitte des Flusses ein einsamer Fels

tausend Klafter hoch

Umtanzt von brausenden Wogen

Ein Meer von Sorge und Kummer

Doch der Fels ist tief im Grund verankert

fest und unerschütterlich

Schon ewig ruht er im Strom der Zeit

Erst heute sah ich ihn